Überraschung

Unsere Adoptivis haben uns nun auf Herz und Nieren getestet – und wir haben uns als tauglich für das Leben und weitere Mitbewohner erwiesen. Wir wissen zwar nicht so recht, was das nun bedeuten soll, aber Tatsache ist, dass wir heute wieder mit dem grossen Gefährt namens Zug nach Hause gerumpelt sind.

Die Adoptivmama hat uns zu Hause aus dem Mäuserucksack entlassen und wir standen fragend vor der Eingangstüre.

Louis und Lavendula fragen sich, was sie wohl erwartet …

Als die Tür aufging, ist uns beinahe unser Mäuseherz ins Mäusefell gerutscht. Da stand ein … Dings … ein mausiges Etwas … ein …

Wer bist Du???

Dieselben Ohren wie wir, dieselben Schnauzhaare wie wir, dieselbe Piepsstimme wie wir – aber irgendwie doch ganz anders. Wir stotterten fehlerfrei die komischste Mäusebegrüssung aller Zeiten, während das Wesen selbstbewusst und frech meinte:

Leseratte?

„Kommt doch rein – ich habe schon auf euch gewartet!“

Wie, kommt doch rein? Was meinte sie damit? Wir wohnen schliesslich hier. Was tut sie da und WARUM? Hat die während unserer Abwesenheit unser Zuhause in Beschlag genommen? Das gibts doch gar nicht!

Unsere Adoptivmama hat uns beruhigend zugeflüstert: „Keine Angst, ihr zwei, das ist ab heute eure neue Schwester. Sie ist zwar eine Maus, wir nennen sie aber Leseratte.“

EINE R A T T E ??????

Gescheites Ding das!

Das Wesen im hübschen Kleidchen erklärte uns, dass wir keine Konkurrenz zu befürchten hatten. Und ihren Namen hat sie offenbar nur bekommen, weil sie sich ausschliesslich von Buchstabensuppe ernährt und nichts anderes tut, als Bücher zu lesen. Wir haben keine Ahnung, warum sie das tut – die Dinger schmecken ja nicht mal lecker. Kein Käse, keine Kartoffeln, nichts ist da drin. NUR BUCHSTABEN!

Louis und Lavendula beraten sich …

Wir mussten dringend darüber diskutieren, was wir mit der neuen Mitbewohnerin anfangen sollten. Die hübschen Kleider, die gescheite Art – ob das gefährlich für uns werden würde. Unsere Adoptivmama schien die mäusemässige Panik in unseren Köpfen zu sehen und meinte: „Alle gut, ihr beiden. Ihr werdet ab jetzt jeden Abend Geschichten vorgelesen bekommen und die Leseratte wird auch nicht die einzige bleiben, die bei uns auch ein Zuhause bekommt. Wir haben genug Platz und das Essen reicht auch für alle; zumal die Leseratte ohnehin nur Buchstabensuppe isst!“

Willkommen liebe Leseratte!

Okay, das klang doch vernünftig. Der Familienzuwachs wurde zwar kritisch beäugt, aber dann genehmigt. Und wir staunten nicht schlecht über das grosse Wissen der Leseratte. Ob wir nun auch die Kunst dieser Buchstaben lernen sollten? Lesen mache das Leben einfacher, hat sie uns erklärt.

Wir denken darüber nach – während wir uns noch mit dem Gedanken anfreunden, dass wir ab sofort zu dritt sein werden.

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